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Der heutige Beitrag stammt von Neffets97 und ist Teil des von der Creepypasta-Community organisierten Creepypasta-Adventskalenders.

Meine Kerze



Der Schnee unter ihren Schuhen knirschte, während sie mit großen Schritten durch das ihr bis zu den Knien reichende Weiß lief. Ihr Atem bildete kleine Wölkchen vor ihrem Gesicht und ließ ihre Brille nach jedem Ausatmen kurz beschlagen und wieder klar werden. Die kalten Hände in den Seitentaschen der weißen Jacke, starrte sie in den Himmel, vorbei an den Baumkronen, die den Weg durch den Wald umrandeten. Sie musste einfach mal abschalten von dem ganzen Stress im Alltag, all den nervigen und lauten Geräuschen, dem Druck, eben von allem. Und was gab es da besseres als einen kleinen Spaziergang im Wald? Eine Schneeflocke landete auf ihrem Kinn, und sie versuchte vergeblich, sie mit der Zunge einzufangen, bevor sie schmolz. Weitere folgten, doch Kyra senkte ihren Blick wieder und richtete ihn nach vorne. Vor ihr lag eine scharfe Kurve, an dessen Rand der Boden leicht abfiel, sodass man den dahinter liegenden Waldboden nicht sehen konnte. Kyra dachte darüber nach, ob es sich lohnte, ihren stressigen Job als Maklerin aufzugeben und sich vielleicht etwas ruhigeres zu suchen, Schriftstellerin zum Beispiel, oder... Als sie die Kurve erreichte, blickte sie in den Wald, den nur noch wenige Strahlen der halb von Wolken verdeckten Sonne erreichten. Verwundert runzelte sie die Stirn. Dicht neben einem der Bäume schien die Luft zu verschwimmen, wie bei großer Hitze, als ob ein Feuer im Schnee brennen würde, doch da war nichts, bis auf ein paar Zweige und kalter, blendend weißer Schnee. Kyra rieb sich die Augen und starrte mit offenem Mund zurück auf dieselbe Stelle, aber das Phänomen war verschwunden. War es vielleicht doch nur ihrer Einbildung entsprungen? Sie war wahrscheinlich überarbeitet, da soll so was ja schon mal vorkommen. Sie zuckte mit den Schultern und setzte ihren Weg fort. Sie musste sich beeilen, auch jetzt noch, in der Pause, schließlich hatte sie gleich noch einen wichtigen Termin. Plötzlich hörte sie hinter sich den Schnee knirschen und ein rasselnder, gehetzter Atem durchdrang die friedliche Stille des Waldes. Ein greller Schmerz explodierte an ihrem Hinterkopf und ihr wurde schwarz vor Augen...


Langsam erlangte sie ihr Bewusstsein zurück. Sie starrte mit verschwommenem Blick auf ihre Oberschenkel und bald waren ihre Augen wieder so weit in Ordnung, dass sie erkennen konnte, dass sie auf einem Stuhl gefesselt war, der in einem flachen Heuhaufen stand. Ein Tinnitus im rechten Ohr erinnerte sie an ihre anderen Sinne und sie bemerkte, dass jemand mit ihr sprach. Verdammt, was wurde da nur gesagt? Mühevoll versuchte sie in ihrem Kopf die Wörter zu sinnvollen Sätzen zu verknüpfen, doch es wollte ihr nicht richtig gelingen. Sie gab es schließlich für den Moment auf und versuchte stattdessen, selbst welche zu formulieren. Das ging schon besser. „Wo bin ich?“ keuchte sie, unfähig den Schmerz an ihrem Hinterkopf zu ignorieren.


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Plötzlich verstand sie was gesagt wurde, wenn auch erst mit einigen Sekunden Verzögerung.


Jemand sagte: „ ...zwei, drei, vier, eine Hütte im Wald, voller Getier, voller Getier, voller Getier...“. Eigentlich sang er mehr...


„ ...zwei, eins, drei, vier, und doch gehört hier alles mir!“


Was zur Hölle? Wer war der Kerl? Vermutlich hatte er mich hier angebunden. Konnte man mit einem Verrücktem vernünftig reden? Denn verrückt war er, da war sich Kyra relativ sicher. Wer sonst würde so reden? Verdammt, was sollte sie nur machen?


„ ...fünf, sechs, sieben, acht, hab den Alten umgebracht.“


Was? Oh scheiße, was war hier los? Sie musste hier raus. Also gut. Kyra hob den Kopf und blickte in das breite Grinsen eines schwarzhaarigen, jungen Mannes, der etwa zwei Meter von ihr entfernt stand. Sie begann: „Hey, könntest du mich vielleicht losmachen? Ich würde wohl gerne wieder...“ Doch er unterbrach sie mit einer weiteren Zahlenfolge:


„Vier, eins, drei, zwei, was du willst ist mir einerlei.“


Das sah nicht gut für sie aus, gar nicht gut. Kyra startete einen neuen Versuch, dieses Mal aggressiver: „Was willst du von mir? Mach mich sofort los, sonst wirst du es bereuen!“ Das Grinsen des Mannes verbreiterte sich noch als er antwortete:


„Fünf, sechs, sieben, acht, ich bin der, der zuletzt lacht!


Sieben, sechs, fünf, acht, aus dir wird meine Kerze gemacht.


Zwei, drei, eins, vier, er sagt es mir, er sagt es mir.“


Was meinte er damit? Er wollte sie doch nicht tatsächlich...? Sie sah sich um. Sie schien sich in einer Hütte aus Holz zu befinden, der Boden war mit Stroh bedeckt und an den Wänden stapelten sich Heuballen. Wenn jemand hier Feuer legen würde... Ihr Blick fiel auf die offenstehende Tür. Draußen konnte sie ein paar Bäume erkennen, sie war also wahrscheinlich noch im selben Wald wie vorher. Vielleicht würde sie jemand hören, wenn sie rufen würde? Er schien ihre Gedanken zu erraten.


„Drei, vier, eins, zwei, hier kommt nie jemand vorbei.“


Bastard. Er würde sie nicht losmachen und von Hilfe von außen war wohl auch nicht zu rechnen. Wenn sie bloß an die Knoten der Seile kommen könnte, die sie fesselten. Plötzlich sprang der Wahnsinnige mit einem gewaltigem Sprung auf und machte eine Drehung in Richtung Tür während er rief


„Natürlich, sie haben Recht. Entschuldigen sie mich, Herr Dämon. Jaja, ist ja gut.“


Auf dem Weg zur Tür trällerte er weiter: „Zwölf, elf, neun, zehn, ich werde jetzt wohl lieber gehen. Sieben, acht, neun, zehn, sonst werde ich wohl auch bald... in Flammen stehen!“


Letzte Chance. „Hey, bleib hier, ich kann dir alles geben was du willst!“ Er ignorierte sie, summte sogar vergnügt vor sich hin, während er beiläufig in die Hosentasche griff und ein Sturmfeuerzeug herausholte. Seine Augen reflektierten das Feuer und schimmerten orange als er es entzündete. Er wollte gerade den Fuß aus der Tür setzen, da hielt ihn eine röchelnde, hasserfüllte Stimme zurück.


„Du bleibst auch hier! Ich will, dass meine kleinen Kerzen ein Duett für mich singen.“


Wie versteinert stand der Mann dort, mit dem brennendem Feuerzeug in der Hand und starrte ins Nichts. Plötzlich bemerkte Kyra das Flimmern im Türrahmen, dasselbe Flimmern, welches sie vorher auch im Wald gesehen hatte. Es schien sich in der Mitte des Türrahmens zu verdichten und Kyra stockte der Atem, als sie eine menschliche Kontur erkennen konnte. Das Wesen streckte den Arm aus, schien den Mann aber nicht berühren zu können. Trotzdem taumelte dieser wie von einem Schlag getroffen zurück, ob aus Furcht oder einem anderem Grund war nicht zu sagen. Er stürzte und das Feuerzeug fiel auf den Boden.


„Brennt, meine Kerzen, brennt! Singt so laut ihr könnt, das gefällt mir!“


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Das Feuer breitete sich rasend schnell im staubtrockenen Stroh aus und so dauerte es nur wenige Sekunden, bis Kyra vor Schmerz schrie, als die Flammen ihre Füße erreichten. Ihre Lunge brannte vor Rauch und ihre Kleidung fing Feuer, während der Schmerz ins Unerträgliche wuchs. Auch der Verrückte schrie, wesentlich lauter als sie, voller Verzweiflung und unsäglichem Leid. Ihre Haare fingen Feuer und verbrannten in einem endlosen Augenblick voller Qualen. Wieder wurde ihr schwarz vor Augen, doch der Schmerz blieb bis zum Schluss...


Autor: Neffets97

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